Altes Rathaus

Ursprünge und Umbauten

1310 wurde erstmals ein Münchener Rathaus erwähnt, das zwar etwas weiter westlich stand als das heutige Alte Rathaus, aber genauso wie dieses heute bereits den Marienplatz nach Osten hin einschließt. Das Rathaus wurde aus diesem Gebäude heraus weiterentwickelt wie auch aus der alten Stadtbefestigung, nach ihrem Erbauer, Heinrich der Löwe, Herzog von Bayern, auch leonische Stadtbefestigung genannt. So wurde das sogenannte untere Torder Stadtmauer zum Turm des Rathauses umgebaut, außerdem erhielt das Gebäude Ende des 14. Jahrhunderts einen großen Saal.

Das Alte Rathaus mit dem RathausturmEtwa sechzig Jahre später, im Jahr 1460, brannte der gesamte Gebäudekomplex nach einem Blitzeinschlag ab. Der Baumeister Jörg von Halspach, Ganghofer genannt, errichte von 1470 bis 1480 den Grundbau des heutigen Alten Rathauses im spätgotischen Stil. Der Keller des Baus beherbergte das Stadtgefängnis, während im Erdgeschoss das Brothaus untergebracht war.

Zentral war der erste Stock, den Ganghofer zu einem großen Tanz- und Festsaal ausbaute. Der Saal, auch Tanzhausgenannt, mit dem von Erasmus Grasser gestalteten Wappen und ‚Moriskentänzern‘ wurde zu repräsentativen Anlässen und Veranstaltungen der Bürgerschaft genutzt, auch Theatervorstellungen fanden dort statt. 1677 tagte dort der bayerische Landtag.

Der Saal gilt als eines der Meisterwerke der Münchner Gotik und wurde im Laufe der weiteren Umbauten, die das Alte Rathaus in den Stilen des Barock, der Renaissance oder des Historismus erweiterten und ergänzten, nicht verändert.

19. Jahrhundert

Anfang des 19. Jahrhunderts wurden in dem Saal die ersten Pockenimpfungen durchgeführt. Im Revolutionsjahr 1848 wurden in dem Alten Rathaus die Abgeordneten der Stadt München für die historische Nationalversammlung in Frankfurt gewählt. Nach dem Umzug der von Verwaltung und Bürgermeister in das Neue Rathaus im Jahr 1874 diente das Alte Rathaus weiterhin zu Repräsentationszwecken.

20. Jahrhundert bis heute

Altes Rathaus1938 wurde vom Alten Rathaus aus die Rede des Reichpropagandaministers Joseph Goebbels gesendet, welche unter anderem als Auftakt zu den Ausschreitungen der Novemberpogrome gilt. 1944 wurde das Gebäude in Bombenangriffen schwer beschädigt, woraufhin der Turm aufgrund der Einsturzgefahr gesprengt wurde. In den 1950er Jahren wurde das Alte Rathaus aufwendig restauriert, der 56 Meter hohe Rathausturm jedoch erst in den 1970er Jahren wiederaufgebaut. Seit 1983 befindet sich darin das Spielzeugmuseum. In dem Festsaal finden auch heute noch Veranstaltungen statt.

Architektur und Fassade

Da die Fassade des Alten Rathauses im Vergleich zu der neogotischen Extravaganz des Neuen Rathaus eher schlicht wird, halten viele den alten Bau zunächst für das modernere Gebäude. Da die Fassade seit der Gestaltung des ursprünglichen Baus immer wieder verändert wurde, um dem wechselnden Geschmack der Jahrhunderte Rechnung zu tragen, stand nach dem Zweiten Weltkrieg die Frage im Raum, in welcher Form die Fassade rekonstruiert werden sollte.

Schließlich entschied man sich dafür, sich an den gotischen Formen des Originalbaus von Ganghofer zu orientieren. Von dieser Entscheidung zeugen die hohen Fenster und Giebelelemente. Die Statuen von Heinrich dem Löwen und Ludwig von Bayern, respektive an der Ost- und Westfassade, sowie die verschiedenen Münchener Wappen vervollständigen das Bild.

Heutige Funktionen

Der Festsaal im Alten Rathaus Der Festsaal dient heute noch als Repräsentationsort der Stadt München, des Stadtrates und Oberbürgermeisters. Festakte und Gedenkfeiern finden dort genauso statt wie Preisverleihungen, zum Beispiel die Verleihung der Medaille München leuchtet, welche seit 1961 für besondere Verdienste um die Stadt München vergeben wird. Auch ist es möglich, den Saal für private Veranstaltungen zu buchen.

Rathausturm (Talburgtor)

Der Rathausturm wurde zunächst 1392 bis 1394 aus dem Talburgtor, auch unteres Tor, genannt, an das Rathaus angebaut. Nachdem das gesamte Gebäude 1460 abbrannte, wurde das Alte Rathaus nach seiner Neuerbauung stetig verändert. Im frühen 17. Jahrhundert erhielt der Rathausturm eine barocke Zwiebelkuppel. Nach der Zerstörung des Gebäudes im Zweiten Weltkrieg wurde ein Wiederaufbau des Rathausturms heftig diskutiert. Zwischen 1971 und 1974 wurde der Turm schließlich von Erwin Schleich nach dem gotischen Bau von Ganghofer rekonstruiert. Die Bronzeglocke in der Turmspitze schlägt jeweils zur halben und vollen Stunde.

Spielzeugmuseum

Im Rathausturm befindet sich das Spielzeugmuseum. Auf vier Stockwerken werden europäische und amerikanische Spielsachen aus über zwei Jahrhunderten gezeigt. Von geschnitztem Holzspielzeug über filigrane Technik bis zu Comicfiguren findet sich nahezu alles in der Ausstellung.

 

Fotos:

© Altes Rathaus von  Prokrust 007 – Eigenes Werk, [CC BY-SA 4.0] über Wikimedia Commons
© „Das Alte Rathaus mit dem Rathausturm (Talburgtor)“ von Anton Höchl http://www.stadt-muenchen.net/bilder/gebaeude/oeffentlich/sb_038.jpg, [Public Domain] über Wikimedia Commons
© Altes Rathaus von Pierre André Leclercq – Eigenes Werk, [CC BY-SA 4.0] über Wikimedia Commons
© Der Festsaal im alten Rathaus von Mummelgrummel – Eigenes Werk, [CC BY-SA 3.0] über Wikimedia Commons