Neues Rathaus am Marienplatz

Neues Rathaus, Münchner Kindl & Glockenspiel

Geschichte

Als das Alte Rathaus Mitte des 19. Jahrhunderts für die Münchener Verwaltung zu eng wurde, beschloss man den Bau eines Neuen Rathauses im damals populären neugotischen Stil und nach dem Vorbild der Rathäuser in Brüssel und Wien. Dafür wurde das seit dem späten Mittelalter an der NordseitRathaus Innenansichte des Marienplatzes stehenden Regierungsgebäude Landschaftshäuser, in dem Vertreter der Stände und Landschaften ihrem Sitz hatten, abgerissen.

Der erste Bauabschnitt, von 1867 bis 1874, wurde von Georg Hauberrisser konzipiert und ausgeführt. 1898 bis 1892 folgten die Arbeiten in dem Bauabschnitt an der Dienerstraße/Ecke Landschaftsstraße. Erst 1905 beendete Georg Hauberrisser den dritten Bauabschnitt mit der Fertigstellung des Rathausturms.

Mit leichten Beschädigungen kam das Neue Rathaus durch den Zweiten Weltkrieg. Nach 1945 wurde das Gebäude nach und nach restauriert und mit einem zusätzlichen Stockwerk versehen. In den 1990ern folgte eine detailreiche Generalsanierung.

Architektur und Fassade

Die zum Marienplatz hingewandte Hauptfassade des Neuen Rathauses ist fast 100 Meter lang. Ihr reicher Schmuck zeigt unter anderem die Linie des Wittelsbacher Herrscherhauses sowie Heinrich den Löwen, der 1156 bis 1180 Herzog von Bayern war. Auf der zur Weinstraße hin gelegenen Seite zeigt die Fassade allegorische Bilder sowie Gestalten aus volkstümlichen Sagen sowie der Münchener Stadtgeschichte. Die südwestliche Ecke zwischen Marienplatz und Weinstraße wird aufgrund der Darstellung des Lindwurms auf dem Eckturm auch Wurmeck genannt.Neues Rathaus

Zentrale Zierde der Hauptfassade ist das Reiterdenkmal des Prinzregenten Luitpold von Bayern (1821 bis 1912). Der Rathausturm wird einer Darstellung der Wappenfigur des Münchner Kindls gekrönt. Die vielen Glasfenster des Gebäudes zeigen religiöse und lokale Motive.

Das Neue Rathaus hat insgesamt sechs Innenhöfe. Der Boden des Prunkhofs, über den Marienplatz wie auch die Weinstraße erreichbar, zeigt einen riesigen Irrgarten als Mosaik, der nur außerhalb der Sommer- und Wintersaison ganz zu sehen ist: Im Winter wird das Labyrinth vom Christkindlmarkt und der Stadtkrippe verdeckt, im Sommer durch den Biergarten des Ratskellers.

Münchner Kindl

Auf dem 85 m hohen Rathausturm thront das Münchner Kindl, ein Kunstwerk von Anton Schmid, der dafür seinen Sohn Wiggerl zum Modell nahm. Eigentlich ist ein Mönch das offizielle Wappenbild von München. Doch schon  seit dem 16. Jahrhundert schufen verschiedene Künstler inoffiziell abgewandelte Formen der Wappenfigur. Der Mönch wurde immer kindlicher und aus dem Knaben erwuchs in den 1920er das Münchner KindlJahren schließlich ein Mädchen. Das Münchner Kindl begegnet dem Besucher heute überall in der Stadt. Es ziert Postkarten, Straßenbahnen und als Logo zahlreiche Produkte.

Selbst in personifizierter Form kann man das Münchner Kindl erleben. Traditionell findet zu Beginn des Münchner Oktoberfestes ein großer Trachten- und Schützenumzug der Wiesnwirte statt, den das Münchner Kindl auf einem Pferd sitzend anführt. In der gelb-schwarzen Franziskanerkutte und mit dem Maßkrug in der Hand begleitet es den Oberbürgermeister von München, bis er das Oktoberfest mit dem Fassanstich und dem Ruf „O’zapft is!“ eröffnet. Die zwischen 20 und 29 Jahre alte „Botschafterin“ von München erfüllt diverse repräsentative Aufgaben zu verschiedenen Anlässen.

Glockenspiel des Neuen Rathauses

Eine besondere Touristenattraktion ist das Glockenspiel, welches zu dSchefflertanzen größten Europas gehört. Täglich um 11 Uhr und 12 Uhr, in der Zeit zwischen März und Oktober zusätzlich um 17 Uhr, kann man das Glockenspiel des Neuen Rathaus bewundern. Insgesamt 32 Spielfiguren zeigen im oberen Erker ein Ritterturnier, welches 1568 aus Anlass der Hochzeit von Herzog Wilhelm V. mit Renate von Lothringen stattfand. Der untere Erker stellt den Schäfflertanz dar, der an die Überwindung der Pestwelle im frühen 16. Jahrhundert erinnert. Der Nachtwächter mit Engel tritt täglich um 21 Uhr auf. Er bläst in sein Horn, während der Engel das Münchner Kindl segnet.

Innenräume

Großer Sitzungssaal im neuen RathausDas Innere des Neuen Rathauses besteht aus 400 Zimmern – von prächtig geschmückten Sitzungssälen zu der öffentlich nutzbaren Juristischen Bibliothek mit ihrem herrlichen Lesesaal. Das Zimmer 200, nach dem Architekten des Gebäudes auch Hauberrisser-Zimmer genannt, ist noch genauso ausgestattet wie zu der Zeit der Eröffnung des Rathauses, mitsamt originaler Einrichtung.

In dem Großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses befindet sich ein von Carl Theodor von Piloty (1826 bis 1886) gestaltetes monumentales Gemälde, die Monachia, welches über einhundert Persönlichkeiten aus über siebenhundert Jahren Münchener Stadtgeschichte zeigt.

Heutige Funktionen und Besichtigungen

Das Neue Rathaus beherbergt heute nicht nur den Oberbürgermeister, sondern auch den Stadtrat. Teile der Stadtverwaltung und Ratsfraktionen sind ebenfalls in dem Gebäude zu Hause. Das Gebäude hat 400 Zimmer, von denen viele öffentlich zugänglich sind, in denen mehr als 600 Menschen arbeiten.

Für ein geringes Eintrittsgeld kann man mit einem Lift auf den Rathausturm fahren und von der Aussichtsplattform den atemberaubenden Blick auf die Stadt München und Umgebung genießen. Für Interessierte werden auch regelmäßig neunzigminütige Führungen zu Geschichte und Architektur des Neuen Rathaus angeboten.

Fotos:

© Neues Rathaus am Marienplatz von GraphyArchyEigenes Werk, [CC BY-SA 4.0] über Wikimedia Commons
© Neues Rathaus: Innenraum von Harro52Eigenes Werk, [CC BY-SA 4.0] über Wikimedia Commons
© Das Neue Rathaus von H.HelmlechnerEigenes Werk, [CC BY-SA 4.0] über Wikimedia Commons
© Münchner Kindl von Alexas_Fotos | Pixabay
© Glockenspiel von Richard Mayer, [CC BY 3.0] über Wikimedia Commons
© Großer Sitzungssaal mit der Gemälde „Monachia“ von OktobersonneEigenes Werk, [CC BY-SA 4.0] über Wikimedia Commons